Die Vereinsgeschichte und mehr...

Foto zum 75-jährigen Jubiläum 1996

Die Chronik des Vereins

An einem nasskalten Winterabend zu Beginn des Jahres 1921 saßen mehrere Holzhausener gemütlich auf der Sandkuhle in der Gastwirtschaft Pietig zusammen und spielten einen zünftigen Doppelkopf. Nach dem Spiel stand man noch an der Theke zusammen, um beim üblichen „Schlürschluck“ dem Gewinner des Abends klarzumachen, dass alles nur Glückssache gewesen war und dass sein Gewinn mit Können nichts zu tun gehabt hatte.

 

Im Verlauf des Gespräches kam wohl einer der Anwesenden auf die Idee, diesen unregelmäßigen Zusammenkünften durch Gründung eines Klubs oder Vereins einen etwas geordneten Rahmen zu geben, durch den zumindest die Termine und Treffen geregelt würden.

 

In dieser Zeit, nur drei Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkrieges, gab es vieler orten Bestreben, sich in Vereine zu organisieren. Die Gründe hierfür sind zum einen vielleicht in dem Wunsch zu suchen, dass in den Kriegsjahren erfahrene Gefühl der Kameradschaft weiter fortzusetzen, zum anderen aber erweckten die politischen Wirren der ersten Nachkriegsjahre mit dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und den ungewissen Zukunftsaussichten der jungen Weimarer Republik sicherlich bei vielen Menschen das Bedürfnis nach einer engen Gemeinschaft mit Nachbarn und Freunden.

 

Der Älteste der Thekenrunde, Friedrich Niemeyer sen., machte dann den Vorschlag, für die Bauerschaft Holzhausen einen eigenständigen Schützenverein zu gründen. Diese Idee fand den uneingeschränkten Beifall der Anwesenden und man beschloss die Vereinsgründung in die Wege zu leiten. Zu dieser Thekenrunde gehörten:

 

-         Friedrich Niemeyer sen.

-         Friedrich Niemeyer jun.

-         Ernst Hilgemann

-         Gustav Hilgemann

-         Wilhelm Dölling

-         Ernst Kötterheinrich

-         Friedrich Dölling

-         Heinrich Pietig (der spätere Vereinswirt)

 

Die Idee der Gründung eines Schützenvereins fand in der ganzen Bauerschaft großen Anklang. Nur vier Wochen nach dem besagten Doppelkopfabend wurde zu einer Gründungsversammlung eingeladen, an der nahezu 50 Interessierte teilnahmen. Nachdem der Beschluss der Vereinsgründung gefasst war, wählte die Versammlung den Vorstand und bestimmte:

-         Friedrich Niemeyer sen., 1.Vorsitzender

-         Wilhelm Kaiser, Schriftführer

-         Fritz Alteholz, Kassierer

Weitere Vorstandsmitglieder waren:

-         Friedrich Dölling

-         Ernst Hilgemann

-         Ernst Kötterheinrich

Zum Vereinslokal wurde natürlich die Gastwirtschaft Heinrich Pietig (später „Reiterkrug“, Beinecke) bestimmt.

 

Bereits im Gründungsjahr wurde das erste Schützenfest gefeiert. An einem Sonntag im Juni 1921 erwies sich Friedrich Dölling als sicherster Schütze und bat Minna Kaßling, ihm als Königin zur Seite zu stehen. Das Königsschießen konnte allerdings nicht in den Anlagen des Vereinslokals ausgetragen werden, sondern musste unter Zuhilfenahme des Schießstandes bei der benachbarten Gastwirtschaft Kruse (Paschedag) stattfinden. Auch in den folgenden Jahren, etwa bis 1925, wurde die Königswürde auf dem Scheibenstand am Bullerbach ausgeschossen. Dann legte sich der Verein jedoch eine eigene Anlage auf dem Gelände des Vereinswirtes zu.

 

Nach der Gründung erfolgte im Jahr 1923 ein erster Höhepunkt mit der Weihung der neuen Vereinsfahne. Zahlreiche Fahnennägel zeigen noch heute, welch großer Zuspruch der Verein schon damals genoss.

 

Wie die Initiatoren es beabsichtigt hatten, wurde der Verein schnell zu einem Treffpunkt für die Bewohner der Bauerschaft, da neben dem Schützenfest zahlreiche andere Veranstaltungen wie der Schützenball, Preisschießen, Versammlungen usw. das Vereins Leben attraktiv gestalten. Der Verein war gut bei Kasse und konnte schon bald nahezu 100 Mitglieder verzeichnen.

 

In den ersten 15 Jahren spielte sich das Vereins Leben ausschließlich beim Vereinswirt Heinrich Pietig ab. Aber auf der Sandkuhle gab es bekanntlich zwei Gaststätten. Warum sollte also nicht auch der benachbarte Wirt Sandkühler (später Grawemeyer) von den Aktivitäten des Vereins profitieren? In einer Versammlung wurde beschlossen, sowohl die Schützenfeste, als auch die übrigen Vereinstätigkeiten jährlich wechselnd in den beiden Gaststätten auszutragen. Diese Regelung blieb bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs bestehen und wurde, wie wir noch sehen werden, später wieder eingeführt.

 

Wie in allen anderen Schützenvereinen fand auch in Holzhausen im Sommer 1939 das vorerst letzte Schützenfest statt, da der zweite Weltkrieg das Vereins Leben mit einem Schlag unterbrach.

 

Nach Beendigung des Krieges, insbesondere im Frühjahr und Sommer 1945, zogen bewaffnete Gruppen ehemaliger Kriegsgefangener der Siegermächte und ziviler Fremdarbeiter durch das Land auf der Suche nach Schmuck, Wertsachen und Lebensmitteln. Auch unser Vereinslokal wurde von einer Gruppe ehemaliger Fremdarbeiter heimgesucht. Die Vereinsfahne war auf dem Heuboden gut versteckt und wurde von den Marodeuren nicht gefunden. Die Königskette wäre dagegen fast entdeckt worden, wenn die Ehefrau des Vereinswirtes sie nicht gerettet hätte. Sie saß nämlich währen der Durchsuchung des Hauses auf der Kette und ließ sich auch durch drohend auf sie gerichtete Gewehre nicht einschüchtern.

 

In den ersten Nachkriegsjahren war an einer Fortsetzung der Vereinstätigkeit aus den verschiedensten Gründen nicht zu denken. Erst im Jahr 1950, nachdem die Voraussetzungen wieder gegeben waren, ging man daran, den Verein wieder aufleben zu lassen. Eine erste Versammlung wurde einberufen und fand in der Bauerschaft auf Anhieb wieder großes Interesse. Sie wurde von dem Gründungsmitglied Friedrich Niemeyer eröffnet und am Ende gab es einen neuen Vorstand, der sich folgendermaßen zusammensetzte:

-         Otto Grawemeyer, 1.Vorsitzender

-         Rudolf Harde, 2.Vorsitzender

-         Kurt Blömker, Kassierer

-         Friedel Teckenbrock, Schriftführer

Nach den damaligen Gegebenheiten wurde die Gaststätte Sandkühler/Grawemeyer zum Vereinslokal bestimmt.

 

Das erste Schützenfest, noch im Jahr der Wiedergründung, war ein echter Höhepunkt in der schwierigen Zeit. Ein glücklicher Umstand ermöglichte es, dass man noch den alten König des Jahres 1939, Franz Albust, ausholen konnte. Als erstes Königspaar präsentierten sich im Jahr 1950 Otto Berdelmann mit seiner Königin Marga Meyer.

 

Im darauffolgenden Jahr feierte man das 30 jährige bestehen des Vereins, da das 25 jährige Jubiläum 1946 nicht hatte stattfinden können. Der erste Jubiläumskönig des Vereins war Paul Schauer, unterstützt durch seine Königin Martha Alteholz.

 

Die noch frischen Erinnerungen an den Krieg und die schmerzhaften Verluste, die viele Familien durch ihn hatten hinnehmen müssen, ließen in der Bevölkerung den Wunsch wach werden, ein Ehrenmal für die Opfer der beiden Kriege zu errichten. Der Schützenverein machte es sich zur Aufgabe, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen.

 

Ein Nachbar in unmittelbarer Nähe der Sandkuhle, Gottfried Blömker, stellte großzügig ein Eckgrundstück zur Verfügung, auf dem das Ehrenmal seinen Platz finden sollte. Die Bevölkerung der Bauerschaft ermöglichte durch nicht unbeträchtliche Spenden die Durchführung des Baues und zeigte auch auf diese Weise ihre Verbundenheit mit dem Schützenverein.

 

Die ersten Jahre nach der Wiedergründung verliefen in ähnlicher Form wie die letzten vor dem Krieg. Dem jährlichen Schützenfest folgte ein Schützenball, Preisschießen, Versammlungen und ein „Gemütlicher“ zum Karneval rundeten das Vereins Leben ab. In der Mitte der 50er Jahre wurde auch die Gastwirtschaft Pietig (Reiterkrug, Beinecke) wieder mit in die Aktivitäten einbezogen.

 

In den 60er Jahren ließ die Begeisterung für den Schützenverein spürbar nach. Rückläufige Mitgliederzahlen und nur geringe Beteiligung an den Schützenfesten waren sichtbare Zeichen hierfür. Dies sollte sich aber glücklicherweise mit Beginn der 70er Jahre sehr schnell ändern, wie ein Zuwachs um fast 40 Mitglieder in nur drei Jahren zeigte. Ursache für die neue Begeisterung waren wohl die Vorbereitungen zum Jubiläumsfest anlässlich des 50 jährigen Bestehens des Vereins, zu dem zahlreiche Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung eingeladen waren. Als Jubiläumskönig im Jahr 1971 herrschte Dagobert Schüler mit seiner Königin Renate Lutterbeck über die stattliche Anzahl von 140 Mitgliedern.

 

Um die Zahl zu erhalten und möglichst noch zu vergrößern, wurde Ende der 70er Jahre eine eigene Jugendschießgruppe gegründet, durch deren Arbeit unter der Leitung von Eckhard Laumann, Gerd Kaßling und Günther Barkmann viele Jugendliche unserer Bauerschaft für die Vereinsarbeit gewonnen werden konnte. Aber auch durch die Aufnahme neu zugezogener Mitbürger und vor allem durch die Öffnung des Vereins für Frauen stieg die Zahl der Mitglieder in den 80er Jahren auf weit über 200 Mitglieder an.

 

Eine Änderung rechtlicher Art erlebte der Schützenverein Holzhausen im Jahr 1979. Aus dem bis dahin lockeren Zusammenschluss wurde ein eingetragener Verein (e.V.).

 

Seit beginn der 70er Jahre feierten die Holzhauser Schützen ihr jährliches Schützenfest in der neu gebauten Reithalle an der Gaststätte „Reiterkrug“ (Beinecke). Die endete jäh, als 1992 ein Feuer die Halle stark beschädigte. So fand 1993 zum ersten Mal nach fast 20 Jahren das Fest wieder in einem Zelt auf der Sandkuhle statt.

 

Nach dem 75 jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 1996, wo sich Günther Barkmann zum König schoss und Ihm Mechthild Achelpohl als Königin zur Seite stand, wird das Schützenfest seit dem Jahr 1997 auf dem Festplatz in einem Zelt an der Tischlerei Günther Barkmann gefeiert. Seit dem Jahr 2000 besitzt der Verein eine eigene Vogelstange nebst Pavillon auf dem Festplatzgelände. Nach der Schließung des Vereinslokals „Reiterkrug“ (Beinecke) 2005, hat der Verein auf der ausgebauten Diele bei der Familie Petersen-Maneke (Hof Aßmann) sein Vereinslokal, wo Versammlungen, Grünkohlessen, Vereinsfrühstück, Doppelkopfturnier, Weihnachtsfeier etc. und das Königsschießen (seit 2007) stattfinden.

Durch Aufgabe der Diele auf dem Hof Petersen-Maneke im Jahr 2015 werden die Vereinsaktivitäten wieder bei Beinecke (ehem. „Reiterkrug“) durchgeführt. Auch das Königsschießen findet dort erstmals 2016 statt.

Vorsitzende des Vereins

  • 1921 - 1939 Friedrich Niemeyer
  • 1951 - 19?? Otto Grawemeyer
  • 19?? - 19?? Fritz Alteholz, sen.
  • 19?? - 1979 Fritz Alteholz, jun.
  • 1979 - 1986 Peter Korte
  • 1986 - 2005 Erhard Stork
  • 2005 - 2013 Norbert Blom
  • seit 2013 Friedhelm Steggemann 

Die Geschichte der Bauerschaft Holzhausen

 Holzhausen wird 1253 zum ersten Mal urkundlich genannt: Holthusen. Die Lienener Sagenwelt hat den Namen von einem Holzhaus, der Jagdhütte des Tecklenburger Grafen abgeleitet. Daraus sei dann der Name des Hofes Holzhaus hervorgegangen. Das geht nicht an, denn der Flurname ist natürlich älter als ein darauf gebautes Haus. Der Name Holthusen meint den Auenwald, den Sumpfwald. Holt ist Holz und husen geht auf das Sumpfwort hus zurück. Ein Blick auf die topografische Karte zeigt, wie sich das Sumpfgebiet des Flaaken in westlicher Richtung nach Holzhausen erstreckt.

 

Bei Niemöller (Baumhöfener) hat sich dann das Wasser zwischen den Esch- und Kampfluren hindurch seinen Weg geschnitten. Eine solche Kehlung nannten die Alten ein Hol (vergl.Höhle). Damit stehen wir vor einer zweiten Erklärung des Namens Holzhausen: Hol – husen. Gemeint wäre so etwas wie ein „Kehl-hausen“. Wie von selber hätte sich dann zwischen hol und husen ein „t“ eingefunden, und schon sind wir wieder beim Namen Holthusen = Holzhausen.

 

Haupwasserlieferant ist der von Heemann/Dorfbauer kommende Mühlenbach. Er fließt in seiner ganzen Länge nach Westen, durchquert den Flaaken und führt dann weiter zur Neumühle (Baumhöfener). Dieser Bach ist zum Teil künstlich angelegt. Sein ursprüngliches Bett führte von Dellbrügge/Hullmann (Dorfbauer) in leicht südwestlicher Richtung zur Üssenkuhle in Meckelwege, um dort am Nordrand des Meckelweger Esch in den heutigen Bullerbach zu münden. Die Holzhauser Mühle wurde also ehemals nur durch den vom Kirstapel kommenden Ölmühlenbach, verstärkt durch die Wasser der Westerbieke und des Niggeldieks, beschickt. Diese Gewässer reichten aber zum Betrieb einer leistungsfähigen Mühle nicht aus. So wurde der von Heemann kommende Mühlenbach in einem künstlich angelegten Bett nach Holzhausen geleitet.

 

Wann ist daß geschehen? Wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Bau der Neumühle. Der Name Niemöller verdankt sich der Einrichtung der Neumühle. Vorher hat es ihn in Lienen nicht gegeben. Er ist 1576/77 erstmals bezeugt. Im Knechtegeldregister 1545 erscheint er noch nicht. So darf man davon ausgehen, daß die Neumühle um 1550 angelegt wurde.

 

Der Name Neumühle setzt eine Alte voraus. Sie lag bei Möller (Bracksiek/Schlamann) in Meckelwege. Ein Staugraben führt vom Bullerbach östlich der Brücke des Meckelweger Kirchwegs zum Mühlenhaus am Hof. Mit der Verlegung des Mühlenbachs nach Holzhausen gruben die Tecklenburger Grafen der nach Scheventorf orientierten Meckelweger Mühle einen wesentlichen Teil des Wassers ab.

 

1632 – mitten im 30 jährigen Krieg – ließen die Schweden die Neumühle reparieren. Sie hielten damals Osnabrück in ihrer Hand und ließen sich wohl von der Neumühle mit Mehl beliefern. Die Preußen führten nach 1707 aus steuerlichen Gründen den Mühlenzwang ein. So mußten die Bauern aus den umliegenden Bauerschaften bei Niemöller ihr Korn mahlen lassen. Um den Anforderungen zu genügen, mußte Niemöller für hinreichende Wasservorräte sorgen. Dazu diente die Anlage eines Reserveteiches bei Henschen (Kätker), der heute nicht mehr besteht. Eine Windmühle zwischen den beiden Teichen vergrößerte die Kapazität der Anlage. Notfalls konnte bei Wassermangel und fehlendem Wind noch eine Roßmühle in dem Fachwerkhaus am Eingang zum Hof in Tätigkeit gesetzt werden.

 

Der von Lengerich kommende Warendorfer Weg führt über die Sandkuhle weiter nach Averfehrden/Glandorf. Im Wegespitz des Abzweigs nach Dreier (Stapenhorst/Baßfeld) lag die Sandkuhle, nach der das Zentrum Holzhausens noch heute benannt wird. Der Warendorfer Weg wurde bei Henschen vom Kattenvenner bzw. Meckelweger Kirchweg gekreuzt. Der Kattenvenner Kirchweg lief zwischen Abke und Drüker (Blömker) her auf Henschen zu. Der Weg von Meckelwege-West führte durch den Mühlenbrook nach Henschen. Hier vereinigten sich beide Wege und führten durch den Flaaken und den unheimlichen Dannenkamp nach Lienen. Die Wegführung der heutigen Kattenvenner Straße an Niemöller vorbei um den Teich herum war die Kosequenz aus der Errichtung der Neumühle.

 

Schlägt man um die Kreuzung von Kattenvenner Straße und Warendorfer Weg einen Kreis mit einem Radius von etwa 1 km, wird der Hauptteil der Holzhauser Uhrhöfe erfaßt. An Eschfluren liegen Holthaus (Antrup, Nr.29), Brünemann (Kämper, Nr.1), Dothage (Eden, Nr.2), am Mühlenbach Arelmann (Heitgreß, Nr.3) und Voß (Nr.6, abgebrochen), am Kamp an der Kattenvenner Straße, Soest (Nr.7) und am Übergang über den Bullerbach, Dreier (Baßfeld, Nr.5). In der Reihe der Nummern 1-7 fehlt nur Schmedt auf der Günne mit Nr.4, weit im Westen, nördlich des Bullerbach gelegen. Die Sandkuhle ist also das Siedlungszentrum des alten Holzhausen.

 

Durch den Mühlenzwang kamen viele Menschen nach Holzhausen, um bei Niemöller ihr Getreide mahlen zu lassen. Das blieb auch nach der Aufhebung des Zwangs so, man mußte ja den Flachs oder den Hanf bocken lassen. Später richtete Niemöller auch eine Sägemühle ein. Der weitere wirtschaftliche Aufschwung der Sandkuhle ist dem Kaufmann Eberhard Hölscher zu danken, der 1807 die Kolonentochter Marie Elisabeth Holthaus heiratete. Sie brachte Grund und Boden der ehmaligen Wirtschaft Beinecke (Reiterkrug) in die Ehe ein. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete die Witwe 1823 Conrad Voß aus dem gegenüber liegenden Kolonat. Der nahm den Namen Hölscher an, errichtete 1829 eine Branntweinbrennerei und eine Zichorienfabrik. Voß-Hölscher soll vor allem auch durch den Schmuggel von Manufaktur, Samt und Seide reich geworden sein. Mit den Zollbeamten pflegte er ein gutes Verhältnis , das Zollhaus lag ja gleich gegenüber (heute Grawemeyer).

 

1868 verlegte Voß-Hölscher seinen Betrieb nach Münster und verkaufte den Holzhausener Besitz an seinen Bruder, den Kolon Ernst Voß. Der bezog das Hölschersche Wohnhaus und ließ den alten Voßhof abbrechen. Unter Sohn Wilhelm ging der Voßbesitz „den Bach herunter“. Wohl nach dem Tod seiner Frau (1905) verkaufte er seinen Besitz an Hermann Friedrich Sandkühler, der die Hölscher-Seite an Hermann August Schowe weitergab, dessen Witwe 1919 Heinrich Pietig aus Meckelwege heiratete. Nach dem Neubau der Wirtschaft Beinecke 1964 wurde die Alte unmittelbar an der Kreuzung gelegene Wirtschaft abgerissen.

 

Auch das ehemlaige Zollhaus gehörte ehedem zum Voßbesitz. Ernst Friedrich Wilhem Voß, Bruder des Wilhelm, heiratete hier 1879 Sophie Elisabeth Kattmann, diese in 2.Ehe 1884 Ernst Heinrich Friedrich Austrup und in 3.Ehe 1895 den Bäcker Hermann Friedrich Sandkühler aus Bohmte. Seit 1929 regiert in Wirtschaft und Geschäft der Name Grawemeyer. Das öffentliche Leben Holzhausens spielte sich nun in den beiden gegenüberliegenden Wirtschaften ab, die 2000 (Sandkuhle, Grawemeyer) und 2005 (Reiterkrug, Beineke) geschlossen wurden.

 

Es ist einsamer geworden auf der Sandkuhle. 1837 verließ Kersten seinen Hof (Nr.14) am Warendorfer Weg gegenüber von Beinekes Garten und übernahm den Hof von Johann Wittenbrock (Nr.11). Grund und Boden wurden von Voß, Hölscher und Henschen aufgekauft. Der Hof später abgebrochen. An seiner Stelle trat das Haus des Schumachers Kaiser. Der stolze Voß-Hof verschwand kurz vor 1870. Die ehemalige Voßsche Schmiede, die zuletzt von Ernst Kötterheinrich betrieben wurde, brannte 1930 nieder und wurde nicht wieder aufgebaut. Nach dem 2. Weltkrieg gab es im Bereich der alten Sandkuhle einige Neusiedlungen.

Dr. Wilhelm Wilkens


Jubiläum 50 Jahre 1971

Jubiläum 75 Jahre 1996