Die Vereinsgeschichte und mehr...

Foto zum 75-jährigen Jubiläum 1996

Die Chronik des Vereins

An einem nasskalten Winterabend zu Beginn des Jahres 1921 saßen mehrere Holzhausener gemütlich auf der Sandkuhle in der Gastwirtschaft Pietig zusammen und spielten einen zünftigen Doppelkopf. Nach dem Spiel stand man noch an der Theke zusammen, um beim üblichen „Schlürschluck“ dem Gewinner des Abends klarzumachen, dass alles nur Glückssache gewesen war und dass sein Gewinn mit Können nichts zu tun gehabt hatte.

 

Im Verlauf des Gespräches kam wohl einer der Anwesenden auf die Idee, diesen unregelmäßigen Zusammenkünften durch Gründung eines Klubs oder Vereins einen etwas geordneten Rahmen zu geben, durch den zumindest die Termine und Treffen geregelt würden.

 

In dieser Zeit, nur drei Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkrieges, gab es vieler orten Bestreben, sich in Vereine zu organisieren. Die Gründe hierfür sind zum einen vielleicht in dem Wunsch zu suchen, dass in den Kriegsjahren erfahrene Gefühl der Kameradschaft weiter fortzusetzen, zum anderen aber erweckten die politischen Wirren der ersten Nachkriegsjahre mit dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und den ungewissen Zukunftsaussichten der jungen Weimarer Republik sicherlich bei vielen Menschen das Bedürfnis nach einer engen Gemeinschaft mit Nachbarn und Freunden.

 

Der Älteste der Thekenrunde, Friedrich Niemeyer sen., machte dann den Vorschlag, für die Bauerschaft Holzhausen einen eigenständigen Schützenverein zu gründen. Diese Idee fand den uneingeschränkten Beifall der Anwesenden und man beschloss die Vereinsgründung in die Wege zu leiten. Zu dieser Thekenrunde gehörten:

 

-         Friedrich Niemeyer sen.

-         Friedrich Niemeyer jun.

-         Ernst Hilgemann

-         Gustav Hilgemann

-         Wilhelm Dölling

-         Ernst Kötterheinrich

-         Friedrich Dölling

-         Heinrich Pietig (der spätere Vereinswirt)

 

Die Idee der Gründung eines Schützenvereins fand in der ganzen Bauerschaft großen Anklang. Nur vier Wochen nach dem besagten Doppelkopfabend wurde zu einer Gründungsversammlung eingeladen, an der nahezu 50 Interessierte teilnahmen. Nachdem der Beschluss der Vereinsgründung gefasst war, wählte die Versammlung den Vorstand und bestimmte:

-         Friedrich Niemeyer sen., 1.Vorsitzender

-         Wilhelm Kaiser, Schriftführer

-         Fritz Alteholz, Kassierer

Weitere Vorstandsmitglieder waren:

-         Friedrich Dölling

-         Ernst Hilgemann

-         Ernst Kötterheinrich

Zum Vereinslokal wurde natürlich die Gastwirtschaft Heinrich Pietig (später „Reiterkrug“, Beinecke) bestimmt.

 

Bereits im Gründungsjahr wurde das erste Schützenfest gefeiert. An einem Sonntag im Juni 1921 erwies sich Friedrich Dölling als sicherster Schütze und bat Minna Kaßling, ihm als Königin zur Seite zu stehen. Das Königsschießen konnte allerdings nicht in den Anlagen des Vereinslokals ausgetragen werden, sondern musste unter Zuhilfenahme des Schießstandes bei der benachbarten Gastwirtschaft Kruse (Paschedag) stattfinden. Auch in den folgenden Jahren, etwa bis 1925, wurde die Königswürde auf dem Scheibenstand am Bullerbach ausgeschossen. Dann legte sich der Verein jedoch eine eigene Anlage auf dem Gelände des Vereinswirtes zu.

 

Nach der Gründung erfolgte im Jahr 1923 ein erster Höhepunkt mit der Weihung der neuen Vereinsfahne. Zahlreiche Fahnennägel zeigen noch heute, welch großer Zuspruch der Verein schon damals genoss.

 

Wie die Initiatoren es beabsichtigt hatten, wurde der Verein schnell zu einem Treffpunkt für die Bewohner der Bauerschaft, da neben dem Schützenfest zahlreiche andere Veranstaltungen wie der Schützenball, Preisschießen, Versammlungen usw. das Vereins Leben attraktiv gestalten. Der Verein war gut bei Kasse und konnte schon bald nahezu 100 Mitglieder verzeichnen.

 

In den ersten 15 Jahren spielte sich das Vereins Leben ausschließlich beim Vereinswirt Heinrich Pietig ab. Aber auf der Sandkuhle gab es bekanntlich zwei Gaststätten. Warum sollte also nicht auch der benachbarte Wirt Sandkühler (später Grawemeyer) von den Aktivitäten des Vereins profitieren? In einer Versammlung wurde beschlossen, sowohl die Schützenfeste, als auch die übrigen Vereinstätigkeiten jährlich wechselnd in den beiden Gaststätten auszutragen. Diese Regelung blieb bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs bestehen und wurde, wie wir noch sehen werden, später wieder eingeführt.

 

Wie in allen anderen Schützenvereinen fand auch in Holzhausen im Sommer 1939 das vorerst letzte Schützenfest statt, da der zweite Weltkrieg das Vereins Leben mit einem Schlag unterbrach.

 

Nach Beendigung des Krieges, insbesondere im Frühjahr und Sommer 1945, zogen bewaffnete Gruppen ehemaliger Kriegsgefangener der Siegermächte und ziviler Fremdarbeiter durch das Land auf der Suche nach Schmuck, Wertsachen und Lebensmitteln. Auch unser Vereinslokal wurde von einer Gruppe ehemaliger Fremdarbeiter heimgesucht. Die Vereinsfahne war auf dem Heuboden gut versteckt und wurde von den Marodeuren nicht gefunden. Die Königskette wäre dagegen fast entdeckt worden, wenn die Ehefrau des Vereinswirtes sie nicht gerettet hätte. Sie saß nämlich währen der Durchsuchung des Hauses auf der Kette und ließ sich auch durch drohend auf sie gerichtete Gewehre nicht einschüchtern.

 

In den ersten Nachkriegsjahren war an einer Fortsetzung der Vereinstätigkeit aus den verschiedensten Gründen nicht zu denken. Erst im Jahr 1950, nachdem die Voraussetzungen wieder gegeben waren, ging man daran, den Verein wieder aufleben zu lassen. Eine erste Versammlung wurde einberufen und fand in der Bauerschaft auf Anhieb wieder großes Interesse. Sie wurde von dem Gründungsmitglied Friedrich Niemeyer eröffnet und am Ende gab es einen neuen Vorstand, der sich folgendermaßen zusammensetzte:

-         Otto Grawemeyer, 1.Vorsitzender

-         Rudolf Harde, 2.Vorsitzender

-         Kurt Blömker, Kassierer

-         Friedel Teckenbrock, Schriftführer

Nach den damaligen Gegebenheiten wurde die Gaststätte Sandkühler/Grawemeyer zum Vereinslokal bestimmt.

 

Das erste Schützenfest, noch im Jahr der Wiedergründung, war ein echter Höhepunkt in der schwierigen Zeit. Ein glücklicher Umstand ermöglichte es, dass man noch den alten König des Jahres 1939, Franz Albust, ausholen konnte. Als erstes Königspaar präsentierten sich im Jahr 1950 Otto Berdelmann mit seiner Königin Marga Meyer.

 

Im darauffolgenden Jahr feierte man das 30 jährige bestehen des Vereins, da das 25 jährige Jubiläum 1946 nicht hatte stattfinden können. Der erste Jubiläumskönig des Vereins war Paul Schauer, unterstützt durch seine Königin Martha Alteholz.

 

Die noch frischen Erinnerungen an den Krieg und die schmerzhaften Verluste, die viele Familien durch ihn hatten hinnehmen müssen, ließen in der Bevölkerung den Wunsch wach werden, ein Ehrenmal für die Opfer der beiden Kriege zu errichten. Der Schützenverein machte es sich zur Aufgabe, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen.

 

Ein Nachbar in unmittelbarer Nähe der Sandkuhle, Gottfried Blömker, stellte großzügig ein Eckgrundstück zur Verfügung, auf dem das Ehrenmal seinen Platz finden sollte. Die Bevölkerung der Bauerschaft ermöglichte durch nicht unbeträchtliche Spenden die Durchführung des Baues und zeigte auch auf diese Weise ihre Verbundenheit mit dem Schützenverein.

 

Die ersten Jahre nach der Wiedergründung verliefen in ähnlicher Form wie die letzten vor dem Krieg. Dem jährlichen Schützenfest folgte ein Schützenball, Preisschießen, Versammlungen und ein „Gemütlicher“ zum Karneval rundeten das Vereins Leben ab. In der Mitte der 50er Jahre wurde auch die Gastwirtschaft Pietig (Reiterkrug, Beinecke) wieder mit in die Aktivitäten einbezogen.

 

In den 60er Jahren ließ die Begeisterung für den Schützenverein spürbar nach. Rückläufige Mitgliederzahlen und nur geringe Beteiligung an den Schützenfesten waren sichtbare Zeichen hierfür. Dies sollte sich aber glücklicherweise mit Beginn der 70er Jahre sehr schnell ändern, wie ein Zuwachs um fast 40 Mitglieder in nur drei Jahren zeigte. Ursache für die neue Begeisterung waren wohl die Vorbereitungen zum Jubiläumsfest anlässlich des 50 jährigen Bestehens des Vereins, zu dem zahlreiche Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung eingeladen waren. Als Jubiläumskönig im Jahr 1971 herrschte Dagobert Schüler mit seiner Königin Renate Lutterbeck über die stattliche Anzahl von 140 Mitgliedern.

 

Um die Zahl zu erhalten und möglichst noch zu vergrößern, wurde Ende der 70er Jahre eine eigene Jugendschießgruppe gegründet, durch deren Arbeit unter der Leitung von Eckhard Laumann, Gerd Kaßling und Günther Barkmann viele Jugendliche unserer Bauerschaft für die Vereinsarbeit gewonnen werden konnte. Aber auch durch die Aufnahme neu zugezogener Mitbürger und vor allem durch die Öffnung des Vereins für Frauen stieg die Zahl der Mitglieder in den 80er Jahren auf weit über 200 Mitglieder an.

 

Eine Änderung rechtlicher Art erlebte der Schützenverein Holzhausen im Jahr 1979. Aus dem bis dahin lockeren Zusammenschluss wurde ein eingetragener Verein (e.V.).

 

Seit beginn der 70er Jahre feierten die Holzhauser Schützen ihr jährliches Schützenfest in der neu gebauten Reithalle an der Gaststätte „Reiterkrug“ (Beinecke). Die endete jäh, als 1992 ein Feuer die Halle stark beschädigte. So fand 1993 zum ersten Mal nach fast 20 Jahren das Fest wieder in einem Zelt auf der Sandkuhle statt.

 

Nach dem 75 jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 1996, wo sich Günther Barkmann zum König schoss und Ihm Mechthild Achelpohl als Königin zur Seite stand, wird das Schützenfest seit dem Jahr 1997 auf dem Festplatz in einem Zelt an der Tischlerei Günther Barkmann gefeiert. Seit dem Jahr 2000 besitzt der Verein eine eigene Vogelstange nebst Pavillon auf dem Festplatzgelände. Nach der Schließung des Vereinslokals „Reiterkrug“ (Beinecke) 2005, hat der Verein auf der ausgebauten Diele bei der Familie Petersen-Maneke (Hof Aßmann) sein Vereinslokal, wo Versammlungen, Grünkohlessen, Vereinsfrühstück, Doppelkopfturnier, Weihnachtsfeier etc. und das Königsschießen (seit 2007) stattfinden.

Durch Aufgabe der Partydiele auf dem Hof Petersen-Maneke im Jahr 2015 werden die Vereinsaktivitäten wieder bei Fam. Beinecke (ehem. „Reiterkrug“) durchgeführt. Auch das Königsschießen findet dort erstmals wieder in 2016 statt.

Die Jahreshauptversammlung 2020 findet in der Gaststätte Gravemeier, Kattenvenne statt.

Auf Grund einer Pandemie (Coronavirus) werden alle Großveranstaltungen im Jahr 2020 abgesagt. Darunter auch unser Schützenfest. Dieses ist das erste Mal nach dem 2.Weltkrieg, dass das Schützenfest nach dem Wiederbeginn im Jahr 1950 (70 Jahre) ausfallen muss.

Vorsitzende des Vereins

  • 1921 - 1939 Friedrich Niemeyer
  • 1951 - 19?? Otto Grawemeyer
  • 19?? - 19?? Fritz Alteholz, sen.
  • 19?? - 1979 Fritz Alteholz, jun.
  • 1979 - 1986 Peter Korte
  • 1986 - 2005 Erhard Stork
  • 2005 - 2013 Norbert Blom
  • seit 2013 Friedhelm Steggemann 

Die Anfänge der Bauerschaft Holzhausen

Von Dr. Christof Spannhoff

 

Holzhausen liegt im Herzen der Gemeinde Lienen. Die Bauerschaft grenzt heute an die Lienener Gemeindebezirke Höste, Westerbeck, Aldrup, Meckelwege und Kattenvenne, aber auch im Westen an die Nachbarkommune Lengerich (Ringel). Doch liegen die genauen Grenzen erst seit dem 19. Jahrhundert fest, als mit der Aufteilung der Marken auch die extensiv genutzten Gemeinheitsflächen parzelliert und privatisiert wurden sowie mit der Aufnahme des preußischen Urkatasters in Westfalen (1820–1834) der Grundbesitz zwecks Besteuerung genau vermessen und verzeichnet wurde.[1] Dass es vordem keine exakten Trennlinien gab, zeigt schon der Begriff „Mark“, der – urverwandt mit lateinisch margo ‚Rand‘ – ein Grenz- oder Randgebiet bezeichnete.[2] So wunderten sich bereits die französischen Besatzer unter Napoleon Bonaparte (1769–1821) bei ihrer nur wenige Jahre dauernden Herrschaft Anfang des 19. Jahrhunderts (1806–1813), dass sie keine festen Gemeindegrenzen vorfanden, um ihre neue Verwaltungsstrukturen zu übertragen. [3]

 

Eine Bauerschaft – was ist das eigentlich?

 

Die Bauerschaft (niederdeutsch Burskap, Burskup) war vor 1800 vielmehr ein Personenverband, dessen Bezirk sich am Grundbesitz der Mitglieder orientierte. Der Verbandscharakter zeigt sich auch an der Wortbildung. So werden mit dem Suffix ‑schaft Bezeichnungen für Personengruppen gebildet (vgl. Jägerschaft, Bruderschaft, Burschenschaft etc.). Im Erstglied steckt nicht der Bauer, bzw. nur mittelbar: Denn der heutige Begriff Bauer hat nichts mit dem ‚Bebauen des Ackers‘ zu tun, sondern gehört zum Tätigkeitswort bu(w)an ‚wohnen‘. Bur als zugehöriges Hauptwort ist somit die ‚Wohnung‘, das ‚Haus‘. Wir kennen diese Bedeutung noch im Ausdruck Vogelbauer für den ‚Vogelkäfig‘. Der Bauer war also ursprünglich der Besitzer eines Hauses, die Bauerschaft die Gemeinschaft der Hausbewohner, also die Nachbarschaft. Nun wird man einwenden können, dass im hiesigen Streusiedlungsgebiet Nachbarn oft sehr weit entfernt von einander wohnten, also eigentlich gar keinen „Nachbarn“ im eigentlichen Sinn eines Nah-beieinander-Wohnens sind. Konstituierend für die Bauerschaft war aber nicht das nachbarschaftliche Siedeln, sondern die Flurgemeinschaft. Die Felder der Nachbarn lagen auf dem sogenannten Esch, dem eigentlichen Ackerland, nebeneinander und wurden gemeinschaftlich bestellt.[4]

Daher erklärt sich auch, dass die Bauerschaft nicht mit der Bauernschaft zu verwechseln ist. Denn die Bauernschaft (mit n) ist sprachlich gesehen die ‚Gesamtheit von Bauern‘. So gab es etwa im Dritten Reich Landes-, Kreis- und Ortsbauernschaften, in denen die Landwirte zwangsweise organisiert waren. Hierher rührt sicherlich teilweise auch noch die heutige Begriffsverwirrung. Doch diese Bauernschaften (mit Fugen-n) haben mit den historisch gewachsenen Bauerschaften (ohne Fugen-n) nichts zu tun.[5]

Die Bauerschaft hatte ursprünglich eine rechtliche und politische Funktion. Wichtiger Bestandteil war ihre Bedeutung als Gerichtsgemeinde. Das Verfassungsorgan dieser Gerichtsgemeinde war das Burgericht. Den Vorsitz in diesem Gericht hatte der sogenannte Burrichter. Die übrigen Buren (Bauern) einer Bauerschaft bildeten den „Umstand“, d.h. sie standen um den Burrichter herum, wenn Gericht gehalten wurde. Daher stammt noch die Redewendung „keine Umstände machen“. Vor diesem Gericht wurden nachbarschaftliche Streitfälle geschlichtet. Die Versammlung der Bauern wurde auch Bursprake genannt. Hier teilte der Burrichter den übrigen Bauern wichtige Neuigkeiten mit oder besprach mit ihnen gemeinschaftliche Angelegenheiten. Die Bauerschaft war folglich eine rechtlich verfasste Nachbarschaft mit eigener Gerichtsbarkeit. [6]

 

Wie alt sind unsere Bauerschaften? 

 

In der älteren Forschung wurde die Entstehung der Bauerschaften bereits in germanischer Zeit vermutet. Allerdings ist nach neueren Erkenntnissen davon auszugehen, dass die Bauerschaft als rechtliche Organisationsform nicht weit vor das Jahr 1000 zurückreicht, in vielen Fällen vermutlich noch später entstanden ist. Damals machte erst eine steigende Bevölkerungszahl diese organisatorische Einrichtung notwendig. Die Organisationform der Bauerschaft mit ihrem gemeinschaftlichen Gefüge und ihren rechtlichen Regelungen wurde notwendig, als mit zunehmender Bevölkerung nicht mehr ausreichend Flächen vorhanden waren, die einen unbeschränkten individuellen Gebrauch erlaubten und sich Streitigkeiten der einzelnen Nachbarn häuften.[7]

Als ältester Beleg einer bauerschaftlichen Organisationsform für das Münsterland bzw. für Westfalen gilt das Vorkommen des Begriffs „ledscipi“ in der Bedeutung ‚Bauerschaft‘ in einer Urkunde aus dem Jahr 1022/23. Den Ausdruck kennen wir heute noch als Laischaft, wie in Osnabrück und Münster die Stadtviertel heißen. Der Begriff „burschap“ als Bezeichnung für eine Gemeinschaft (lateinisch collegium) wird erstmals in einer Osnabrücker Urkunde aus dem Jahr 1187 genannt.[8] Auch die Angaben des ältesten Freckenhorster Heberegisters (um 1100) zeigen, dass die „Bauerschaftsorganisation“ zur Zeit seiner Abfassung noch nicht vollständig entwickelt und ausgeprägt war, denn die dort genannten Siedlungen werden nicht als „burschap“ bezeichnet, sondern als „tharp“. Mit diesem Begriff tharp (Dativ Singular: tharpa; altniederdeutsche Form von plattdeutsch D(u)orp, hochdeutsch Dorf) wurden kleine Gehöftgruppen bezeichnet, von denen später mehrere Einheiten zusammen eine Bauerschaft bildeten. [9]

Bauerschaften konnten auch noch im 17. Jahrhundert entstehen. Für Lienen sind hier etwa die Dorfbauerschaft oder die Bauerschaft Kattenvenne zu nennen. Zuvor gehörte der Bereich der Dorfbauerschaft zu Aldrup und dem 1609 an Glane abgetretenen Ostenfelde, das Gebiet von Kattenvenne zu Meckelwege. Diese jüngeren Bauerschaften geben sich vor allem dadurch zu erkennen, dass sie keine gemeinschaftlichen Eschfluren mehr aufweisen. [10]

 

Wie alt ist Holzhausen?

 

Doch seit wann ist in Holzhausen von einer ununterbrochenen Siedlungskontinuität[11] bis zur Gegenwart auszugehen? Obwohl Holzhausen heute im Zentrum von Lienen liegt, wurde das Gebiet erst später besiedelt als die nördlich angrenzenden Bauerschaften des Kirchspiels Lienen. Die ältesten Siedlungen lagen entlang des Überlandweges, des sogenannten Deetweges, am Südrand des Teutoburger Waldes auf dessen trockener, sandiger Abdachungszone. Hier waren die Böden für die frühen Möglichkeiten der Ackerbestellung geeignet. Weiter südlich waren die Böden nass und deshalb schwierig zu bearbeiten. Erst als die Bevölkerungszahlen im Hochmittelalter anstiegen und die Menschen neue Flächen kultivieren mussten, wandte man sich auch den Gebieten mit schwer zu bestellenden Böden zu.[12] Voraussetzung dafür war eine Verbesserung der Pflugtechnik durch die zunehmende Verbreitung des Beetpfluges.[13]

Dieser Zeitpunkt der Besiedlung Holzhausens lässt sich in etwa anhand der Zehntrechte in Lienen ablesen. Unter dem Zehnten (mittellateinisch decima, niederdeutsch Tegede, Teinde) ist ursprünglich die periodische Abgabe des zehnten Teils wirtschaftlicher Erträge und Einkünfte zu verstehen. In vielen Kulturen bekannt, wurde der Zehnt über das Alte und Neue Testament vom Christentum übernommen und seit frühchristlicher Zeit v.a. für kirchliche Einkünfte verwendet. Der Zehnte sollte ursprünglich dem Unterhalt des Bischofs und der Geistlichkeit, dem Bau und Erhaltung der Kirchen, der Armenpflege und der Betreuung von Reisenden und Pilgern dienen. Viele Zehnte gingen jedoch bereits früh durch unrechtmäßige Aneignung, Geldnot der Bischöfe und Mühsal der Erhebung in die Hand weltlicher Herren über. [14]

In einem Verzeichnis derjenigen Güter, die der Osnabrücker Bischof dem Kloster Iburg zwischen 1082 und 1088 übertrug, findet sich auch das Recht der Zehnterhebung in folgenden Siedlungen: Ostenfelde, Lienen, Aldrup, Westerbeck und Höste. Die übrigen Siedlungen Lienens, die sich in den heutigen Bauerschaften erhalten haben, werden in dem Güterverzeichnis noch nicht erwähnt.[15] Erst 1219 schenkte der Osnabrücker Bischof dem Kloster Iburg den Zehnten in Holzhausen und Meckelwege. 1257 und 1284 wurde diese Schenkung bestätigt.[16] In der Urkunde von 1219 werden zwar keine Siedlungsnamen genannt, allerdings lassen sich die betreffenden Siedlungen aus den späteren Bestätigungsurkunden von 1257 und 1284 erkennen. Die beiden Siedlungen Holzhausen und Meckelwege liegen weiter südlich und auf niedrigerem Bodenniveau als die anderen, zudem auf feuchteren Böden, was bereits auf spätere Besiedlung hindeutet. In den betreffenden Urkunden heißt es zudem ausdrücklich, dass es sich bei den an das Kloster Iburg geschenkten Zehnten um sogenannte Neubruchzehnte handelte, also um Zehntabgaben, die von neu gerodetem, erstmalig urbar gemachtem Land erhoben wurden. Daraus ist zu erschließen, dass die Gebiete der heutigen Bauerschaften Holzhausen und Meckelwege erst zwischen 1082/1088 und 1219, also im 12. Jahrhundert, kultiviert worden sind. Ab wann wir jedoch von der rechtlichen Organisationsform einer Bauerschaft für Holzhausen ausgehen können, bleibt ungewiss. Nachweisbar ist sie erst im 16. Jahrhundert.[17]

 

Rodungssiedlung und erste Bauernstellen

 

Dass Holzhausen und Meckelwege spätere Rodungssiedlungen waren, belegen auch ihre Namen. 1253 wird Holzhausen als „Holthusen in parrochia [Kirchspiel] Linen“ genannt. Altniederdeutsch -husen ist der Dativ Plural zu hus ‚Haus‘ und ist als ‚bei den Häusern‘, also Siedlung, zu übersetzen. Der erste Bestandteil holt bedeutet ‚Wald, Gehölz‘. Holzhausen ist also die ‚Siedlung im bzw. am Wald‘.[18] Auch Meckelwege, zwischen 1216 und 1224 „Mickelwede“, ist eine ursprüngliche Waldbezeichnung. Das Erstglied mikil, zerdehnt meckel, bedeutet groß, wide, zerdehnt wede, ist ein Wort für ‚Wald‘, dem im Englischen wood ‚Wald‘ entspricht. Meckelwege meint also ‚der große Wald‘. Die Siedlung, die nach der Rodung eines Teiles des Waldes entstand, erhielt dann diesen Namen.[19]

Einer der ältesten Höfe der Bauerschaft Holzhausen ist der Hof Holthaus (heute Antrup, Am Hülshoff 7). Hier dürfte das Zentrum der Bauerschaft zu suchen sein. Das zeigt auch, dass er den Namen der Bauerschaft trägt: 1468 heißt er „Evert to Holthusen“, 1494 „Holthus“. [20] Hier wurde also anscheinend der Name der Bauerschaft geprägt und weitete sich aus. Holthaus liegt zudem an den Eschfluren der Bauerschaft. Dass der Hof später die hohe Hausnummer 29 trug, obwohl eigentlich die größten und ältesten Höfe die niedrigsten Nummern aufwiesen, hängt damit zusammen, weil Holthaus im Dreißigjährigen Krieg unter dessen Folgen litt und die Besitzerfamilie ausstarb. Der Hof lag die ganze zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts wüst und wurde erst 1717 vom preußischen König (seit 1707 Rechtsnachfolger der Tecklenburger Grafen) als Grundherr der Stätte mit Arend Jobst Johannemann neu besetzt. Da zu dieser Zeit die Hausnummern bereits vergeben waren, bekam Holthaus die Nr. 29 zugewiesen.[21] Die ihm zustehende Nr. 1 hatte wenige Jahre zuvor der Hof Brünemann erhalten (heute Brünemann-Kemper, Holzhausener Str. 1), der zusammen mit dem unmittelbar benachbarten Hof Dothage (heute Löffeld, Holzhausener Str. 2) ebenfalls zu den ältesten Bauernstellen gehört und vermutlich mit diesem ursprünglich eine Einheit bildete. Brünemann wird 1382 erstmals als „Johan Brüning“ bzw. um 1400 als „Brünning“[22], 1468 als „Bruninckman“ erwähnt[23], Dothage um 1400 und 1468 als „Dothagen“. [24] Hinzu kommt dann noch der Hof Arelmann, der um 1400 als „Arnink“ verzeichnet ist.[25] Die Anfänge Holzhausens liegen also auf jeden Fall unmittelbar nördlich der heutigen Kattenvenner Straße.

 

Brun(o), Siewert und Arn(o): Die Gründer Holzhausens?

 

Ein genauer Blick auf die Benennungen der Hofstätten könnte sogar den ersten Siedlern wieder einen Namen geben: Wenn man davon ausgeht, dass der Hof Dothage wahrscheinlich erst später durch Abteilung vom unmittelbar benachbarten Brünemann entstanden ist, tragen nämlich die ältesten drei Stätten alle Namen, die auf eine Personenbezeichnung zurückzuführen sind. Brünemann bzw. älter Brüning geht auf den Vornamen Brun oder Bruno zurück. [26] Der Hof Holthaus soll ausweislich eines um 1550 abgefassten Zehntregisters zuvor den älteren Namen Seberdinck („Holthuess ehemals geheiten Seberdinck“) getragen haben[27], in dem eindeutig der Rufname Siewert (Siegfried) steckt [28], und Arelmann kommt in den älteren Schriftzeugnissen als „Arnink“ vor (s.o.) und geht damit auf den Personennamen Arn oder Arno zurück.[29] Brun(o), Siewert und Arn(o) könnten also die ersten Siedler und Bewohner Holzhausens gewesen sein, deren Namen sich in den Benennungen ihrer Hofstellen erhalten haben.

 

Exkurs: Wann wird der Name Holzhausen erstmals erwähnt?

 

In der ortsgeschichtlichen Literatur zu Lienen ist bisher davon ausgegangen worden, dass der Name Holzhausens erstmals im Jahr 1253 als „Holthusen in parrochia [Kirchspiel] Linen“ genannt wird.[30] Allerdings haben bereits die vorausgehenden Ausführungen gezeigt, dass eine Siedlung hier schon mindestens für das Jahr 1219 zu erschließen ist – selbst, wenn in dem entsprechenden Schriftstück über die Neubruchzehnten des Klosters Iburg sämtliche näheren Ortsangaben fehlen. Diese Erkenntnis wurde durch den Vergleich mit späteren Urkunden selben Inhalts der Jahre 1257 und 1284 gewonnen. Mit Hilfe dieses Verfahrens ist es aber zudem möglich, das bisherige Datum der schriftlichen Ersterwähnung Holzhausens um einige Jahrzehnte vorzuverlegen:

Im Jahr 1223 bekundete nämlich Bischof Adolf von Osnabrück, dass der Edelherr Hermann von Blankena dem Kloster Iburg die Vogtei über mehrere Güter verkauft und verpfändet habe. Unter diesen Besitzungen findet sich auch ein Haus (domus) „in Holthusen“. [31] Leider wird in der Urkunde keine nähere Identifizierung dieses Ortes vorgenommen. Bei der Vielzahl der Siedlungen dieses Namens in der näheren und weiteren Umgebung von Iburg[32] ist es daher allein auf Basis der Einzelurkunde schwierig, darüber eine eindeutige Aussage treffen zu können. Deshalb scheint bisher auch noch niemand dieses Schriftzeugnis für das Lienener Holzhausen herangezogen zu haben. [33] Allerdings hilft hier ebenfalls der Vergleich mit der besagten Urkunde von 1253 weiter. In dieser sind nämlich dieselben Güter – wenn auch in anderer Reihenfolge – genannt, deren Vogtei der damalige Bischof Bruno von Osnabrück dem Kloster Iburg übertrug, nachdem er diese den Edelherren von Blankena abgekauft hatte. In diesem späteren Dokument wird nun aber das bereits 1223 genannte Haus in Holzhausen als im Kirchspiel Lienen gelegen bezeichnet („una domus in Holthusen in parrochia Linen“). Damit steht eindeutig fest, dass es sich bei dem 1223 nicht näher verorteten Holzhausen um die Siedlung bei Lienen handelt. Durch diese Feststellung rückt somit die schriftliche Erstnennung Holzhausens von 1253 um ganze drei Jahrzehnte in das Jahr 1223 vor. Damit steht fest: Mit Fug und Recht können die Bewohner von Lienen-Holzhausen in Kürze, nämlich 2023, das Jubiläum der Ersterwähnung ihres Wohnortes vor 800 Jahren begehen. Ein weiterer Grund zum Feiern!

 



[1] Stefan Brakensiek, Agrarreform und ländliche Gesellschaft. Die Privatisierung der Marken in Nordwestdeutschland 1750–1850, Paderborn 1991; Ketten, Karten und Koordinaten. Die Entwicklung

des Liegenschaftskatasters im Westmünsterland, hrsg. v. Karl-Peter Theis u.a., Vreden 2006.

[2] Ruth Schmidt-Wiegand, Marca. Zu den Begriffen ‚Mark‘ und ‚Gemarkung‘ in den Leges

barbarorum, in: Dies., Stammesrecht und Volkssprache. Ausgewählte Aufsätze zu den

Leges barbarorum, hrsg. v. Dagmar Hüpper u. Clausdieter Schott, Weinheim 1991, S. 335–352.

[3] Günther Wrede, Die Entstehung der Landgemeinde im Osnabrücker Land, in: Die Anfänge der Landgemeinde und ihr Wesen, hrsg. v. Theodor Mayer, 2 Bde., Konstanz 1964, Bd. I, S. 289–303.

[4] Leopold Schütte, Die Verfassung ländlicher Siedlungen in Westfalen vor 1800 im Spiegel ihrer räumlichen Struktur, in: Dörfliche Gesellschaft und ländliche Siedlung, hrsg. v. Uta Halle u.a., Bielefeld 2001, S.61–89. Wiederabgedruckt in: Leopold Schütte, Schulte, Weichbild, Bauerschaft. Ausgewählte Schriften zu seinem 70. Geburtstag, hrsg. v. Claudia Maria Korsmeier, Bielefeld 2010, S. 17–46.

[5] Daniela Münkel, Nationalsozialistische Agrarpolitik und Bauernalltag. Frankfurt a. M./New York 1996.

[6] Leopold Schütte, Bauer oder Landwirt? Die Bedeutung des Wortes Bauer, in: Beiträge zur westfälischen Familienforschung 65 (2007) S. 7–16.

[7] Vgl. dazu: Christof Spannhoff, Tie gleich Thing. Zur Konstruktion eines Geschichtsbildes, in: Nordmünsterland. Forschungen und Funde 1 (2014), S. 6–32.

[8] Gunter Müller, Altsächsisch ledscipi ‚Bauerschaft‘. Otto Höfler zum 70. Geburtstag, in: Niederdeutsches Wort 11 (1971), S. 25–36. Zur Datierung der Urkunde auf 1022/23: Edeltraud Balzer, Adel – Kirche – Stiftung. Studien zur Geschichte des Bistums Münster im 11. Jahrhundert, Münster 2006, S. 131.

[9] Die Heberegister des Klosters Freckenhorst nebst Stiftungsurkunde, Pfründeordnung und Hofrecht, hrsg. v. Ernst Friedlaender, Münster 1872, S. 11–59.

[10] Friedrich Ernst Hunsche, Lienen am Teutoburger Wald. 1000 Jahre Gemarkung Lienen, hrsg. v. d. Gemeinde Lienen, Lienen 1965, S. 190f. u. S. 257.

[11] Das Gegenteil zur Siedlungskontinuität ist Platzkontinuität, die besagt, dass ein Ort – wegen seiner Siedlungsgunst oder anderer Faktoren – im Lauf der Zeit immer wieder, aber nicht kontinuierlich besiedelt gewesen ist. Vgl. dazu Christoph Grünewald, Von Steinbeilen und Hügelgräbern, in: Kattenvenne. Das Dorf mit seiner Entwicklung, hrsg. v. d. Kattenvenne 1312 eG, Lengerich 2014, S. 14–21.

[12] Gerd Hunsche, Die Altsiedlungen und Gräftensiedlungen im Kreis Tecklenburg, Univ. Münster, Staatsexamensarbeit 1955 (Manuskript in der Bibliothek des Historisches Seminars, Mm 425).

[13] Werner Rösener, Bauern im Mittelalter, 4., unveränd. Aufl., München 1991, S. 118–133; Werner Delbanco, Zu den Anfängen der Siedlungsgeschichte im Osnabrücker Land, in: Osnabrücker Mitteilungen 111 (2006), S. 11–26.

[14] August Suerbaum, Der Zehnte im Landkreis Osnabrück vom späten Mittelalter bis zur Ablösung, in: Osnabrücker Mitteilungen 70 (1961), S. 24–86.

[15] Osnabrücker Urkundenbuch (OUB), Bd. V: Urkundenbuch des Klosters Iburg, bearb. v. Horst-Rüdiger Jarck, Osnabrück 1985, Nr. 8 (Original). Zum Abfassungszeitraum: Christof Spannhoff, Zur Datierung des Güterverzeichnisses Bischof Bennos II. von Osnabrück für das Kloster Iburg, in: Heimat-Jahrbuch Osnabrücker Land 2017, S. 95–104

[16] OUB, Bd. V, Nr. 24 (Original), 48 (Original), 67 (Original).

[17] Hunsche, Lienen (wie Anm. 10), S. 234.

[18] OUB, Bd. V, Nr. 42 (Original). Zur Bedeutung des massenhaft vorkommenden Ortsnamens Holzhausen, Holthausen, Holthusen etc. siehe: Claudia Maria Korsmeier, Die Ortsnamen der Stadt Münster und des Kreises Warendorf, Bielefeld 2011, S. 212–214.

[19] Christof Spannhoff, Der Ortsname Meckelwege, in: Ders., Alles für die Katz’? Eine historische Anthologie zum Jubiläum „700 Jahre Kattenvenne“, Norderstedt 2013, S. 92–100.

[20] Fürstliches Archiv Rheda, Bestand Rheda, Urkunden, Nr. 68; Schatzungs- und sonstige Höferegister der Grafschaft Tecklenburg 1494 bis 1831, bearb. v. Wolfgang Leesch, Münster 1974, S. 92.

[21] Hunsche, Lienen (wie Anm. 10), S. 234 u. 240.

[22] Eduard Donnerberg, Der Besitz des ehemaligen Klosters Iburg, Münster 1912, S. 146. Die von Donnerberg abweichende Datierung um 1400 richtet sich nach der Angabe im Findbuch zum Bestand Rep 2, Nr. 169 (Kopiar des Klosters Iburg mit Lehn- und Heberegister um 1400) im Niedersächsischen Landesarchiv, Standort Osnabrück.

[23] Fürstliches Archiv Rheda, Bestand Rheda, Urkunden, Nr. 68.

[24] Donnerberg, Besitz (wie Anm. 22), S. 146; Fürstliches Archiv Rheda, Bestand Rheda, Urkunden, Nr. 68.

[25] Donnerberg, Besitz (wie Anm. 22), 146.

[26] Joachim Hartig, Die münsterländischen Rufnamen im späten Mittelalter, Köln u.a. 1967, S. 143f.

[27] Quellen und Beiträge zur Orts-, Familien- und Hofesgeschichte Lienens, bearb. u. hrsg. v. Christof Spannhoff, Bd. 1, Norderstedt 2007, S. 49 u. 67.

[28] Hartig, Rufnamen (wie Anm. 26), S. 212.

[29] Hartig, Rufnamen (wie Anm. 26), S. 137f.

[30] OUB, Bd. V, Nr. 42 (Original); Hunsche, Lienen (wie Anm. 10), S. 234; Wilhelm Wilkens, Lienen. Das Dorf und seine Bauerschaften von der Sachsenzeit bis zur Gegenwart, Norderstedt 2004, S. 289; Ders., Frühzeitliche Gegebenheiten und Geschehnisse im Gemeinwesen Lienen, in: Kattenvenne. Das Dorf mit seiner Entwicklung, hrsg. v. d. Kattenvenne 1312 eG, Lengerich 2014, S. 22–44, hier S. 38.

[31] OUB, Bd. V, Nr. 30 (Original).

[32] Vgl. dazu: Günther Wrede, Geschichtliches Ortsverzeichnis des ehemaligen Fürstbistums Osnabrück, 3 Bde., Hildesheim 1975–1980, hier Bd. 2, S. 269–272; Korsmeier, Ortsnamen (wie Anm. 18), S. 212–214.

[33] Der Bearbeiter des OUB, Bd. V, Horst-Rüdiger Jarck, stellt es im Register mit Fragezeichen zu Lienen (S. 385). In den älteren Drucken der Urkunde wird der Ort nicht näher identifiziert: Justus Möser’s sämmtliche Werke, neu geordnet u. aus d. Nachlasse desselben gemehrt durch Bernhard Rudolf Abeken, Bd. 8: Osnabrückische Geschichte, Bd. 4: Urkunden, Berlin 1843, Nr. 126; OUB, Bd. II, Nr. 169.

Rep.17 Nr.14

Die Geschichte der Bauerschaft Holzhausen

Holzhausen wird 1253 zum ersten Mal urkundlich genannt: Holthusen. Die Lienener Sagenwelt hat den Namen von einem Holzhaus, der Jagdhütte des Tecklenburger Grafen abgeleitet. Daraus sei dann der Name des Hofes Holzhaus hervorgegangen. Das geht nicht an, denn der Flurname ist natürlich älter als ein darauf gebautes Haus. Der Name Holthusen meint den Auenwald, den Sumpfwald. Holt ist Holz und husen geht auf das Sumpfwort hus zurück. Ein Blick auf die topografische Karte zeigt, wie sich das Sumpfgebiet des Flaaken in westlicher Richtung nach Holzhausen erstreckt.

 

Bei Niemöller (Baumhöfener) hat sich dann das Wasser zwischen den Esch- und Kampfluren hindurch seinen Weg geschnitten. Eine solche Kehlung nannten die Alten ein Hol (vergl.Höhle). Damit stehen wir vor einer zweiten Erklärung des Namens Holzhausen: Hol – husen. Gemeint wäre so etwas wie ein „Kehl-hausen“. Wie von selber hätte sich dann zwischen hol und husen ein „t“ eingefunden, und schon sind wir wieder beim Namen Holthusen = Holzhausen.

 

Haupwasserlieferant ist der von Heemann/Dorfbauer kommende Mühlenbach. Er fließt in seiner ganzen Länge nach Westen, durchquert den Flaaken und führt dann weiter zur Neumühle (Baumhöfener). Dieser Bach ist zum Teil künstlich angelegt. Sein ursprüngliches Bett führte von Dellbrügge/Hullmann (Dorfbauer) in leicht südwestlicher Richtung zur Üssenkuhle in Meckelwege, um dort am Nordrand des Meckelweger Esch in den heutigen Bullerbach zu münden. Die Holzhauser Mühle wurde also ehemals nur durch den vom Kirstapel kommenden Ölmühlenbach, verstärkt durch die Wasser der Westerbieke und des Niggeldieks, beschickt. Diese Gewässer reichten aber zum Betrieb einer leistungsfähigen Mühle nicht aus. So wurde der von Heemann kommende Mühlenbach in einem künstlich angelegten Bett nach Holzhausen geleitet.

 

Wann ist daß geschehen? Wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Bau der Neumühle. Der Name Niemöller verdankt sich der Einrichtung der Neumühle. Vorher hat es ihn in Lienen nicht gegeben. Er ist 1576/77 erstmals bezeugt. Im Knechtegeldregister 1545 erscheint er noch nicht. So darf man davon ausgehen, daß die Neumühle um 1550 angelegt wurde.

 

Der Name Neumühle setzt eine Alte voraus. Sie lag bei Möller (Bracksiek/Schlamann) in Meckelwege. Ein Staugraben führt vom Bullerbach östlich der Brücke des Meckelweger Kirchwegs zum Mühlenhaus am Hof. Mit der Verlegung des Mühlenbachs nach Holzhausen gruben die Tecklenburger Grafen der nach Scheventorf orientierten Meckelweger Mühle einen wesentlichen Teil des Wassers ab.

 

1632 – mitten im 30 jährigen Krieg – ließen die Schweden die Neumühle reparieren. Sie hielten damals Osnabrück in ihrer Hand und ließen sich wohl von der Neumühle mit Mehl beliefern. Die Preußen führten nach 1707 aus steuerlichen Gründen den Mühlenzwang ein. So mußten die Bauern aus den umliegenden Bauerschaften bei Niemöller ihr Korn mahlen lassen. Um den Anforderungen zu genügen, mußte Niemöller für hinreichende Wasservorräte sorgen. Dazu diente die Anlage eines Reserveteiches bei Henschen (Kätker), der heute nicht mehr besteht. Eine Windmühle zwischen den beiden Teichen vergrößerte die Kapazität der Anlage. Notfalls konnte bei Wassermangel und fehlendem Wind noch eine Roßmühle in dem Fachwerkhaus am Eingang zum Hof in Tätigkeit gesetzt werden.

 

Der von Lengerich kommende Warendorfer Weg führt über die Sandkuhle weiter nach Averfehrden/Glandorf. Im Wegespitz des Abzweigs nach Dreier (Stapenhorst/Baßfeld) lag die Sandkuhle, nach der das Zentrum Holzhausens noch heute benannt wird. Der Warendorfer Weg wurde bei Henschen vom Kattenvenner bzw. Meckelweger Kirchweg gekreuzt. Der Kattenvenner Kirchweg lief zwischen Abke und Drüker (Blömker) her auf Henschen zu. Der Weg von Meckelwege-West führte durch den Mühlenbrook nach Henschen. Hier vereinigten sich beide Wege und führten durch den Flaaken und den unheimlichen Dannenkamp nach Lienen. Die Wegführung der heutigen Kattenvenner Straße an Niemöller vorbei um den Teich herum war die Kosequenz aus der Errichtung der Neumühle.

 

Schlägt man um die Kreuzung von Kattenvenner Straße und Warendorfer Weg einen Kreis mit einem Radius von etwa 1 km, wird der Hauptteil der Holzhauser Uhrhöfe erfaßt. An Eschfluren liegen Holthaus (Antrup, Nr.29), Brünemann (Kämper, Nr.1), Dothage (Eden, Nr.2), am Mühlenbach Arelmann (Heitgreß, Nr.3) und Voß (Nr.6, abgebrochen), am Kamp an der Kattenvenner Straße, Soest (Nr.7) und am Übergang über den Bullerbach, Dreier (Baßfeld, Nr.5). In der Reihe der Nummern 1-7 fehlt nur Schmedt auf der Günne mit Nr.4, weit im Westen, nördlich des Bullerbach gelegen. Die Sandkuhle ist also das Siedlungszentrum des alten Holzhausen.

 

Durch den Mühlenzwang kamen viele Menschen nach Holzhausen, um bei Niemöller ihr Getreide mahlen zu lassen. Das blieb auch nach der Aufhebung des Zwangs so, man mußte ja den Flachs oder den Hanf bocken lassen. Später richtete Niemöller auch eine Sägemühle ein. Der weitere wirtschaftliche Aufschwung der Sandkuhle ist dem Kaufmann Eberhard Hölscher zu danken, der 1807 die Kolonentochter Marie Elisabeth Holthaus heiratete. Sie brachte Grund und Boden der ehmaligen Wirtschaft Beinecke (Reiterkrug) in die Ehe ein. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete die Witwe 1823 Conrad Voß aus dem gegenüber liegenden Kolonat. Der nahm den Namen Hölscher an, errichtete 1829 eine Branntweinbrennerei und eine Zichorienfabrik. Voß-Hölscher soll vor allem auch durch den Schmuggel von Manufaktur, Samt und Seide reich geworden sein. Mit den Zollbeamten pflegte er ein gutes Verhältnis , das Zollhaus lag ja gleich gegenüber (heute Grawemeyer).

 

1868 verlegte Voß-Hölscher seinen Betrieb nach Münster und verkaufte den Holzhausener Besitz an seinen Bruder, den Kolon Ernst Voß. Der bezog das Hölschersche Wohnhaus und ließ den alten Voßhof abbrechen. Unter Sohn Wilhelm ging der Voßbesitz „den Bach herunter“. Wohl nach dem Tod seiner Frau (1905) verkaufte er seinen Besitz an Hermann Friedrich Sandkühler, der die Hölscher-Seite an Hermann August Schowe weitergab, dessen Witwe 1919 Heinrich Pietig aus Meckelwege heiratete. Nach dem Neubau der Wirtschaft Beinecke 1964 wurde die Alte unmittelbar an der Kreuzung gelegene Wirtschaft abgerissen.

 

Auch das ehemlaige Zollhaus gehörte ehedem zum Voßbesitz. Ernst Friedrich Wilhem Voß, Bruder des Wilhelm, heiratete hier 1879 Sophie Elisabeth Kattmann, diese in 2.Ehe 1884 Ernst Heinrich Friedrich Austrup und in 3.Ehe 1895 den Bäcker Hermann Friedrich Sandkühler aus Bohmte. Seit 1929 regiert in Wirtschaft und Geschäft der Name Grawemeyer. Das öffentliche Leben Holzhausens spielte sich nun in den beiden gegenüberliegenden Wirtschaften ab, die 2000 (Sandkuhle, Grawemeyer) und 2005 (Reiterkrug, Beineke) geschlossen wurden.

 

Es ist einsamer geworden auf der Sandkuhle. 1837 verließ Kersten seinen Hof (Nr.14) am Warendorfer Weg gegenüber von Beinekes Garten und übernahm den Hof von Johann Wittenbrock (Nr.11). Grund und Boden wurden von Voß, Hölscher und Henschen aufgekauft. Der Hof später abgebrochen. An seiner Stelle trat das Haus des Schumachers Kaiser. Der stolze Voß-Hof verschwand kurz vor 1870. Die ehemalige Voßsche Schmiede, die zuletzt von Ernst Kötterheinrich betrieben wurde, brannte 1930 nieder und wurde nicht wieder aufgebaut. Nach dem 2. Weltkrieg gab es im Bereich der alten Sandkuhle einige Neusiedlungen.

Dr. Wilhelm Wilkens


Jubiläum 50 Jahre 1971

Jubiläum 75 Jahre 1996